Die Haute Route Chamonix-Zermatt ist die ikonischste Skidurchquerung der Alpen. Auf rund 100 km verbindet sie Chamonix (Frankreich) mit Zermatt (Schweiz) über eine Abfolge von Gletscherpässen auf über 3.500 m.
Die Route durchquert einige der spektakulärsten Alpenlandschaften: Mont-Blanc-Gletscher, oberes Bagnestal, Plateau du Couloir, Otemma-Gletscher und schliesslich die atemberaubende Abfahrt nach Zermatt mit dem Matterhorn im Hintergrund.
Historisch wurde die Haute Route in 5 bis 7 Tagen begangen. Seit den 2000er Jahren ist sie auch ein Referenzkurs für FKT-Rekordversuche.
Die FKT-Linie startet an der Kirche von Chamonix (1.043 m) und endet an der Kirche von Zermatt (1.616 m).
Ein FKT-Versuch auf dieser Route erfordert eine seltene Kombination: aussergewöhnliche Ausdauer, Skitechnik auf höchstem Niveau, Leistungsfähigkeit in grosser Höhe, strategisches Energiemanagement über 13 bis 24 Stunden und intime Streckenkenntnis.
Schneebedingungen sind entscheidend: tragender Schnee in der Höhe und gute Nachtabstrahlung sind für schnelle Zeiten zentral.
Teams starten meist sehr früh am Morgen, bei Frauenversuchen über 20 Stunden teils schon am Vorabend. Nacht-Navigation auf spaltenreichen Gletschern erhöht die Schwierigkeit deutlich.
Die 18 Abschnitte der Haute Route von Chamonix nach Zermatt.
Einrollen auf Straße und Forstweg im leicht ansteigenden Gelände. Die Besten bleiben nahe 10 km/h bei kontrolliertem Aufwand.
Erster großer Aufstieg: über 2.000 Höhenmeter bis zum Col du Chardonnet. Höhe, Tragepassagen und Steigeisen machen ihn sehr selektiv.
Erste technische Abfahrt mit steilem Couloir und spaltenreichem Gletscher. Die Skitechnik erzeugt hier bereits klare Unterschiede.
Kurzer, aber sehr steiler Aufstieg zur Grand Luy. Ein explosiver Abschnitt, in dem reine Leistung entscheidet.
Lange Abfahrt nach La Fouly mit fast 1.800 m Abstieg. Linienwahl und flüssiges Skifahren bringen die größten Zeitgewinne.
Langer, gleichmäßiger Aufstieg zum Col des Planards. Weniger technisch, aber durch Dauer und Rhythmussteuerung anspruchsvoll.
Schnelle Abfahrt zum Barrage des Toules. Ein flüssiger Abschnitt, auf dem mutiges Skifahren Minuten spart.
Strategischer Schlüsselabschnitt: direkte Aufstiegslinie oder Mischroute mit zusätzlichen Übergängen. Die Routenwahl wirkt stark auf die Endzeit.
Großer Aufstieg zum Plateau du Couloir, dem höchsten Punkt der Route. Nach vielen Stunden werden Energiemanagement und Höhe entscheidend.
Sehr kurze technische Gletscherabfahrt. Auch hier zahlen sich saubere Übergänge sofort aus.
Kurzer Übergangsaufstieg zum Col du Sonadon. Klein, aber zeitlich relevant.
Lange Abfahrt nach Chanrion über abwechslungsreiches Gelände. Top-Teams halten trotz Ermüdung ein hohes Tempo.
Längster Abschnitt nach Distanz: Otemma-Gletscher bis Col de l'Évêque. Mentale Konstanz und effiziente Bewegung sind zentral.
Abfahrt am Haut Glacier d'Arolla, relativ gleichmäßig. Gleitfähigkeit zählt hier stärker als extreme Technik.
Konstanter Aufstieg zum Col du Mont Brûlé. Hohe VAM in dieser Rennphase zeigt außergewöhnliche Robustheit.
Kurze Abfahrt zum Tsa-de-Tsan-Gletscher. Je nach Schnee und Uhrzeit kann der Abschnitt heikel werden.
Letzter bedeutender Aufstieg zur Valpelline. Der finale Filter vor der langen Abfahrt nach Zermatt.
17-km-Schlussabfahrt nach Zermatt. Nach 12 bis 20 Stunden werden Abstände hier oft endgültig festgelegt oder noch größer.
Haute Route Skitouren-Rekorde
Auf der einen Seite Mathéo Jacquemoud, eine der großen Figuren des französischen Skibergsteigens, mehrfacher Weltmeister und zweifacher Sieger der Pierra Menta, bekannt für seine Konstanz, sein Rennverständnis und seine Fähigkeit, ohne Einbruch durchzuziehen. Als Bergführer verkörpert er eine sehr kontrollierte Herangehensweise an lange Belastungen. Auf der anderen Seite William Boffelli, ein Italiener mit Hintergrund im Langlauf, der zu einem der komplettesten Athleten seiner Generation geworden ist und sowohl im Skibergsteigen als auch im Skyrunning auf höchstem Niveau performt. Extrem ausdauernd und technisch stark hält er unter anderem den Mont-Blanc-Rekord Hin- und Rückweg (31. Mai 2025), ein Beweis für sein außergewöhnliches Niveau auf langen alpinen Traversierungen. Ihr Duo vereint taktische Präzision und physische Stärke, mit einer Rekorddurchquerung, die von sehr wenigen Pausen, extrem schnellen Übergängen und perfektem Energiemanagement geprägt ist.
Samuel Équy verkörpert das moderne Skibergsteigen in seiner anspruchsvollsten Form: Mitglied der französischen Elite, Weltmeister auf der Langdistanz und besonders stark in Teamrennen, vereint er Explosivität, Ausdauer und taktisches Gespür. An seiner Seite bringt Benjamin Védrines ein völlig anderes Profil ein: das eines Spitzenalpinisten, bekannt für seine schnellen Begehungen und Verbindungen an legendären Bergen wie Eiger oder Matterhorn. Ihr Rekord stellte einen strategischen Wendepunkt dar, mit hohem Tempo von Beginn an und einer eher „alpinistischen“ als rein wettkampforientierten Herangehensweise, die Engagement, Geschwindigkeit und Geländelesen vereinte.
Bastien Fleury aus Chamonix, unter anderem ehemaliges Mitglied des PGHM, verkörpert die im Alltag gelebte Bergwelt, mit einem ausgeprägten Sinn für Effizienz und Gelände. Olivier Meynet, eine äußerst vielseitige Persönlichkeit, hat sich sowohl im Skibergsteigen als auch im Extrem- und Freerideski einen Namen gemacht, mit hervorragender Skitechnik und großer Anpassungsfähigkeit. Ihr Rekord von 2016 hielt lange Zeit dank einer vorsichtigen, aber äußerst effektiven Rennstrategie, in einer Phase, in der Material, Streckenkenntnis und Optimierung noch weniger entwickelt waren als heute. Ihre Leistung bleibt ein Maßstab für Konstanz und Rennintelligenz.
Dieses Duo gehört zur grundlegenden Geschichte der modernen Rekorde auf der Haute Route. Stéphane Brosse war einer der größten Namen im Skibergsteigen, dreifacher Weltmeister, mehrfacher Sieger der Pierra Menta und ein echter Pionier der Geschwindigkeit in den Bergen. Sein tragischer Tod im Jahr 2012 bei einem Rennen an der Aiguille d’Argentière hat die Bergwelt tief geprägt. Lionel Bonnel, Skilehrer, Trailrunner und Spezialist für Ausdauerleistungen, brachte große Robustheit und Konstanz ein. Ihre Leistung von 2008 ebnete den Weg für moderne Rekordversuche und legte die Grundlagen für eine schnelle und engagierte Herangehensweise an die Haute Route.
Marie Pollet-Villard gehört zur neuen französischen Generation im Skibergsteigen: ehemalige französische Nachwuchsmeisterin, auf hohem Niveau ausgebildet, zeichnet sie sich durch ihre Konstanz und ihre Fähigkeit aus, über lange Zeit ein gleichmäßiges Tempo zu halten. Laurie Renoton, mit einem vielseitigeren Hintergrund zwischen Skibergsteigen, Trailrunning und Bergsport, überzeugt besonders in technischen Passagen und abwechslungsreichem Gelände. Ihr Rekord markiert einen neuen Meilenstein für das Frauenniveau auf der Haute Route, mit einem sehr modernen Ansatz: schnelle Übergänge, optimiertes Energiemanagement und konstantes Engagement – ein Zeichen für den starken Fortschritt im Frauenbereich bei langen alpinen Traversierungen.
Hillary Gerardi ist weltweit bekannt für ihre Leistungen im Trailrunning und Skyrunning, insbesondere rund um den Mont Blanc, wo sie mehrere bedeutende Bestzeiten aufgestellt hat. Sie bringt eine außergewöhnliche Ausdauer und die Fähigkeit mit, über lange Zeit ein sehr hohes Leistungsniveau zu halten. Valentine Fabre, ehemalige Weltcup-Athletin im Skibergsteigen und Ärztin, verfügt über eine immense Erfahrung in den Bergen, sowohl im Wettkampf als auch im Alpinismus. Gemeinsam bilden sie ein äußerst komplementäres Duo: Kraft und Ausdauer auf der einen Seite, technische Beherrschung und Erfahrung auf der anderen. Ihr Rekord zeigt den spektakulären Fortschritt des Frauenniveaus, mit einem Ansatz, der inzwischen sehr strukturiert und den männlichen Standards immer näher kommt.
Dieses Schweizer Duo, sehr ausgeglichen und erfahren, markierte einen wichtigen Schritt in der jüngeren Geschichte der Frauen-Haute-Route. Clara Masserey, aus der jüngeren Schweizer Generation, etablierte sich schnell als starke Athletin in Teamformaten. Gaëlle Perrier, erfahrener und im Schweizer Skibergsteigen gut bekannt, bringt große Konstanz und eine hervorragende Fähigkeit zur Bewältigung langer Belastungen mit, insbesondere in Nachtpassagen. Ihr Rekord senkte die vorherige Bestmarke deutlich dank gleichmäßigem Tempo, ausgezeichneter Nachtstrategie und perfekter Ergänzung, in einem Stil, der zugleich effizient und kontrolliert war.
Als erste große moderne Referenz im Frauenbereich auf der Haute Route markierte dieses Duo einen Wendepunkt in der Disziplin. Valentine Fabre, mit ihrer Erfahrung aus dem Weltcup und dem Alpinismus, und Hillary Gerardi, Spezialistin für extreme Ausdauerleistungen, gelang eine engagierte und perfekt vorbereitete Durchquerung. Dieser Rekord markierte den Beginn der Professionalisierung weiblicher Versuche: präzise Streckenkenntnis, optimierte Strategie und gezielte Vorbereitung. Ihre Leistung ebnete den Weg für eine neue Generation von Frauenduos, die immer schneller und strukturierter werden.
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